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Soziale Stereotypen

Dass wir alle in ein Netz von Vorurteilen hineingeboren werden, ist denke ich kein Geheimnis. Von der Farbe unserer Haut, über die vier Wänden in denen wir leben, zu der Schule die wir besuchen, bis hin zu dem Beruf den wir ausüben. Alles kann irgendwie in irgendeine Schublade gesteckt werden. Man schließt von einer Eigenschaft auf die nächste und voilá, man meint die ganze Person zu kennen. Ich denke, dass diese Schlussfolgerungen Menschen dabei helfen, sich sicher zu fühlen. Wenn jeder in ein Muster passt, dann ist die Gesellschaft aufgeräumt, ordentlich. Die Wahrheit ist aber, dass die wenigsten einfach so in eine Ecke gedrückt werden können.
Anlass dieses Posts und Themas ist eine Unterhaltung, die ich im vergangenen Wochenende mit einer Teilnehmerin des Yogaworkshops hatte, den ich auch besucht habe. Bei der Frage, wie oft und wo ich unterrichte, ist klar geworden, dass ich pro Woche recht viele Kurse leite. Die Worte „Dann machst du das ja schon fast hauptberuflich?“ von ihr waren absolut nett und euphorisch gemeint, während mich meine Antwort darauf, seitdem nicht mehr loslässt. „Ja stimmt, ich mache das quasi hauptberuflich. Aber ich studiere auch noch!“ Sofort bin ich vor mir selbst etwas erschrocken. Ich bin hauptberuflich Yogalehrerin. Ich will hauptberuflich auch Yogalehrerin sein. Was ist es, das mich dazu bringt, mein Studium erwähnen zu müssen? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es ist als bräuchte ich eine Legitimation, um sagen zu dürfen, dass Yoga zu unterrichten, mein Beruf ist. Fast so, als ob diese Tätigkeit nicht gut genug wäre. Was ist es, dass wir in der heutigen Gesellschaft immer alles werten müssen? Dass es für alles klare Linien und Grenzen geben muss? Ich habe mich dann gefragt, ab wann man etwas hauptberuflich ausübt. Ist es gemessen an dem Arbeitsaufwand? Oder daran, wie viel man dadurch verdient? Warum kann man es nicht an dem Herzblut messen, das man in bestimmte Dinge steckt? Und wieso muss Freizeit und Beruf immer so klar getrennt sein? Ich denke das rührt daher, dass die meisten Menschen keinen Spaß an ihrem Job haben. Sie fühlen sich gezwungen, Dinge zu tun, die sie in ihrer Freizeit nie tun würden. Vielleicht liegt darin der große Error. Wie wäre es damit, sich im wahrsten Sinne des Wortes, sein Hobby zum Beruf zu machen? Die Dinge zu finden, die einem Spaß machen und das als Grundlage dafür zu nehmen, womit man seinen Lebensunterhalt verdient? Viel zu viele Menschen wissen gar nicht, was ihnen Freude bereitet, weil sie viel zu beschäftigt damit sind, sich unglücklich zu arbeiten. So etwas war für mich nie eine Option. Ich sehe diese Verfahrenheit viel zu deutlich, als dass ich mich ihr selbst hingeben würde.
Am allermeisten muss ich mich hier wohl aber selbst an die Nase nehmen. Die Tatsache, dass ich mich diesen Vorurteilen, Normen und Ansprüchen derart hingebe, zeigt mir, dass ich trotz meines Bewusstseins dem gegenüber, immer noch ein kleiner Zacken in den Rädern der Gesellschaft bin. Also lasst uns das hiermit ändern: Ich bin Yogalehrerin. Das ist mein Beruf. Mein Haupt- und einziger Beruf. Das macht mich nicht besser, schlechter, attraktiver, unattraktiver, schlauer, dümmer, verrückter oder normaler. Das macht mich nichts, außer glücklich.
Ich verabschiede mich mit einem meiner Lieblingszitate von Julia Engelmann:

„Lasst uns Dinge tun weil wir können und nicht müssen.“

Pari

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