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Morgen hab ich frei.

Ein Satz der auf den ersten Blick vollkommen normal klingt. Menschen die arbeiten, haben auch mal frei. Ist einfach so. In der Norm.
Mal angenommen man geht nicht in die Arbeit, kommt nicht nach Hause und Berufliches bleibt nicht beruflich, während Privates nicht privat bleibt. Mal angenommen diese Grenzen verschwimmen, man ist nie wirklich in der Arbeit, aber auch nie wirklich zu Hause. Mal angenommen jede Minute mehr Arbeit bedeutet auch mehr Verdienst. Mal angenommen es ist nie ein Ende in Sicht. Mal angenommen man arbeitet ausschließlich in die eigene Tasche, nicht in die anderer. Mal angenommen frei haben bedeutet auch kein Geld haben. Mal angenommen wir sind angekommen: Willkommen im Selbstständigen-Leben.

Vor ein paar Tagen hab ich mir gedacht „Und morgen hab ich frei“. Bei dem Gedanken ist mir klar geworden, dass ich mir eigentlich seit Beginn meiner Selbstständigkeit Anfang des Jahres nie wirklich einen Tag freigenommen habe. Und mit frei meine ich nicht „nicht in der Arbeit“ zu sein, denn das gibt es nicht, wenn man viel von zu Hause aus arbeitet. Man ist immer irgendwie am Arbeiten, irgendwie aber auch im Pyjama und oups das Mittagessen verbrennt, während man mit einem Kunden telefoniert. Alle Grenzen verschwimmen, vor allem in der heutigen Zeit, wo die Handynummer für die Familie die gleiche ist, wie die für Geschäftspartner, der Social Media Kanal zu beruflichen Zwecken genutzt wird, man sich aber auch privat für das interessiert, was andere posten und der Mail-Account sowohl die Sendebestätigung von Amazon, als auch die Anmeldung zu einem der eigenen Yogakurse beinhaltet. Alles ist eins und irgendwie trotzdem absolut verschieden.
Es ist für mich nicht ungewohnt, ich bin unter einem Haufen Selbstständiger groß geworden, dennoch war ich fast schockiert, wie normal es für mich ist, immer mit einem Fuß in der Arbeit zu stehen, immer im Hinterkopf das Business zu haben. Egal ob es ein Sonntag, Feiertag, der eigene Geburtstag oder man krank ist. Selbstständig ist man immer, Orts-, Zeit-, Verfassungs-unabhängig. Und das ist selbstverständlich, weil selbstständig.

Das „rebellische Ich“ hat sich dann natürlich sofort vorgenommen einige Tage sein Handy und den Computer wegzulegen, keine Yogasequenzen zu schreiben und überhaupt von dem Ganzen nichts wissen zu wollen. Mentale Gesundheit ist wichtig, ich will kein Burn-Out bekommen und oh-mein-Gott bitte nie so werden wie die Leute in meinem Umfeld, denen ich mein Leben lang vorgeworfen habe, keine Zeit für Privates zu haben.
Und dann.. Hoppla. Ich mach das doch gern. Also, nicht alles und auch nicht immer, aber ich will mir doch Abfolgen von Posen ausdenken, die sich in meinem Körper gut anfühlen und diese weitergeben. Ich will doch den Menschen antworten, die mit mir zusammenarbeiten und ich will doch Aspekte meines Lebens teilen, um andere zu inspirieren.
Shit, und jetzt? Ich darf mich doch nicht überarbeiten, will aber auch nicht damit aufhören. Wieso gibt es eigentlich diese strikten Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben? Und wer hat überhaupt gesagt, dass Arbeit immer einen negativen Beigeschmack haben muss? Was soll das denn bedeuten „überarbeiten“? Man kann sich ja auch nicht „überspaßen“. Warum kann Arbeit denn keinen Spaß machen? Außerdem: Warum um Himmels Willen, muss man genau 40 Stunden in der Woche arbeiten? Wieso muss das von 9 bis 5 sein und warum wird man belächelt, wenn man keinen gesellschaftlich höchst angesehenen Job ausübt? Wer hat sich die Definition der „Vollzeitbeschäftigung“ ausgedacht und woran wird das festgemacht? Dem Verdienst? Der Arbeitszeit? Beides ist nämlich vollkommen unabhängig von einander. Es gibt genug Menschen die nur 10 Stunden in der Woche arbeiten und mehr verdienen, als andere, die 50-Stunden-Wochen durchziehen. Welcher der beiden Aspekte zählt mehr und warum spielt Freunde darin keine Rolle?

Wie wäre es damit: Jeder macht es wie er will. Das Leben kennt keine Regeln, die haben wir uns selbst erschaffen, wahrscheinlich auch noch ganz unbewusst. Ich bin mein eigener Boss, beruflich wie privat, worüber ich unglaublich glücklich bin. Ich arbeite wann ich will, so viel ich will und wo ich will. Mit wem ich will, wieso ich will und was ich will. Jetzt zum Beispiel ist es 1:13 in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Ich sitze am Balkon, tatsächlich im Pyjama, bereits mit geputzten Zähnen und bereit schlafen zu gehen, aber plötzlich war ich kreativ genug, meine Gedanken in Worte zu fassen.
Na und? Morgen hab ich frei. So wie jeden anderen Tag auch. Frei, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Frei, mein Leben zu leben.

Hast du frei?
Kisses,
Pari

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