Blog

Bachelorarbeit 0 – Pari 1

Also ich muss schon sagen, manchmal macht man es sich selbst schwerer als es sein muss. Seit eineinhalb Monaten setze ich mich schon unter enormen Druck, diese Abschlussarbeit meines Studiums fertig zu bekommen. Mein Anspruch war nicht einmal der, etwas besonders Tolles zu schreiben, nein. Alles was ich wollte, war fertig zu werden. Diesen riesigen Punkt von meiner To Do Liste abzuhaken. Es ist auch nicht so, als wäre das das erste Mal, dass ich wissenschaftlich Schreiben musste, oder dass ich mir besonders schwer dabei tue, Texte zu verfassen. Ich meine, ich habe einen Blog, Schreiben sollte da schon zu den Dingen zählen, die man gerne tut. Ich denke meine größte Herausforderung war das „müssen“. Ich musste mich an einen bestimmten Schreibstil halten, durfte nur bestimmte Quellen verwenden, hatte ein Abgabedatum und jemand anderes wird entscheiden, ob das, was ich verfasst habe als gut oder schlecht befunden wird. Alles Aspekte, die für eine Anti-Autoritätsliebenden Menschen wie mich nicht ganz easy sind.
Seitdem mein Thema festgestanden ist und ich jederzeit mit der Recherche und dem Schreiben beginnen konnte, war ich unter Druck. Egal was ich getan habe, in meinem Kopf war diese extrem anstrengende Stimme, die mich immer wieder daran erinnert hat, was ich eigentlich gerade tun sollte. Ich konnte nichts genießen, es hat sich so angefühlt, als wäre mein Kopf ständig voll, selbst wenn ich mir bewusst Zeit freigeschaufelt habe. Immer und immer wieder habe ich mich gefragt, wann ich jemals mit dieser Arbeit fertig werden soll. Woher ich die Zeit nehmen soll und überhaupt wie ich das eigentlich machen soll. Ich habe mir gedacht: „Hätte ich nur eine Woche, in der ich mich in Ruhe hinsetzen kann um das abzuschließen“. Immer wieder ist mir dieser Gedanke durch den Kopf gekreist, bis mir dann vor zirka zwei Wochen die glorreiche Idee gekommen ist, mir diese Woche einfach zu nehmen. Kennt ihr das, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht? Genau so habe ich mich gefühlt. Als hätte ich ein Stück Abstand genommen und plötzlich alles klarer gesehen. Alle Termine, Yogakurse und soziale Interaktionen sind abgesagt worden und ich habe jedem gesagt, dass ich mich für sieben Tage einsperren werde und mich erst melde, sobald ich fertig bin. Mein Zimmer wird nur verlassen, wenn ich am Verhungern bin oder dringend aufs stille Örtchen muss. Ein Plan war geschmiedet.
Letzte Woche habe ich die ganze Vorarbeit von Transkriptionen der Interviews, über ausführliche Recherche, bis hin zur Literaturbeschaffung gemacht, sodass ich wirklich „nur noch“ schreiben musste. Da das Wochenende früher zu Ende war als geplant, habe ich bereits am Sonntagnachmittag meine Mission begonnen und war hochmotiviert dieses Kapitel abzuschließen – im wahrsten Sinne des Wortes. Drei Tage später, am Mittwochnachmittag, habe ich dann das letzte Wort meiner Bachelorarbeit geschrieben. Crazy. Sobald ich damit angefangen hatte, verging alles wie im Flug. Ich war im absoluten Schreib-flow und konnte gar nicht glauben, wie schnell die Zeichenanzahl nach oben gerattert ist. Es ist so schnell gegangen, dass ich die Arbeit sogar am ersten Abgabetermin einreichen werde – say what?!
Durch das ewige vor mir herschieben und Gedanken machen und Stress aufbauen, ist der Berg dieser Arbeit so groß geworden, dass ich überhaupt nicht mehr gewusst habe, wie ich ihn erklimmen soll. Und das alles nur wegen diesem kleinen Wörtchen „muss“.
Eines meiner Lieblingszitate ist folgendes von Julia Engelmann:

„Lass uns Dinge tun, weil wir können und nicht müssen!“

Ganz im Sinne dessen, bin ich nun sogar am Überlegen, das Masterstudium auch noch dranzuhängen. Einfach weil ich kann. Am Ende des Tages haben wir immer die Wahl. Nicht nur die Wahl, wie wir mit den Dingen umgehen, sondern auch die Wahl der Dinge selbst. Wir selbst entscheiden, was wir „müssen“, weil wir können.
Macht mit euch selbst ein kleines Experiment: Tauscht in jedem Satz, den ihr sprecht oder denkt das Wort „muss“ mit „kann“ aus und schaut einfach mal was passiert.

Heute können wir müssen.
Kisses,
Pari

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.